Den Wahltag verbrachten wir in Pennsylvania, dem Bundesstaat, der – so die Theorie – in diesem Kampf das entscheidende Schlachtfeld hätte sein können. Beide Kampagnen lagen Kopf an Kopf im Rennen darum, eine kleine, nur schwer fassbare Gruppe unentschiedener Wähler:innen in den „purple“ Countys und Vororten für sich zu gewinnen. Der Tag begann unter strahlend blauem Himmel, mit vorsichtigem Optimismus, den die engagierten Demokratischen Freiwilligen verbreiteten – eine Stimmung, die schon an unserem Vorwahlwochenende in Georgia in der Luft lag. Am Abend blieb das düstere Gefühl der Niederlage: Noch vor Mitternacht zeichnete sich ab, dass Donald J. Trump auf dem Weg war, der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden.

Wir zogen durch mittelgroße, gentrifizierte Städte wie Allentown, die ländlichen Gegenden von Bucks County und die Schwarzen Viertel im Norden Philadelphias, deren Vorgärten Wahlplakate zierten, während sich die Anzeichen für einen Wahlsieg von Harris noch zu verdichten schienen. In Allentown stand eine 76-jährige Psychologin aus New York – Sonnenbrille, Locken, ansteckende Energie – den ganzen Tag vor einem Wahllokal, mit nichts als einem Kugelschreiber und einer Broschüre in der Hand. Sie sprach sämtliche Passant:innen an und fragte: „Wählen Sie Kamala?“ Viele – Schwarze, Hispanics, Männer, Frauen – antworteten stolz mit „Ja“, und von den Unentschlossenen überzeugte sie immerhin fünf. „Viele wissen nicht, wen sie wählen werden, wenn sie hier reingehen. Einen Versuch ist es also immer wert“, sagte sie.

Citation
Moritz Schramm, Marie Müller-Elmau & Anja Bossow, Seine Zeit ist gekommen, Verfassungblog (2024).
UVA Law Faculty Affiliations